Zwischen der niederländischen Grenze bei Gronau und dem Rhein bei Wesel verlaufen die Zuständigkeiten der Regionalmedien nicht so, wie es die Landkarte vermuten ließe. Der WDR schneidet seine Lokalzeiten nach Landesstudios zu, die Lokalradios folgen den Verbreitungsgebieten der Landesanstalt für Medien NRW, und die Antenne auf dem Dach hält sich an keines von beiden. Diese Übersicht geht Kreis für Kreis durch, was davon für Sie gilt.
Die Angaben stammen von den Empfangsseiten des WDR und aus der Senderübersicht der Landesanstalt, Stand 23.09.2026. Einen landesweiten Blick mit Zulassungen, DAB+-Ausbau und Zwei-Säulen-Modell bietet der Report zu Lokalfernsehen und Lokalradio in NRW.
Die Kreise im Überblick
| Kreis | WDR Lokalzeit | Lokalradio | WDR-Stützpunkt |
|---|---|---|---|
| Kreis Borken | Lokalzeit Münsterland | Radio WMW | Landesstudio Münster |
| Kreis Coesfeld | Lokalzeit Münsterland | Radio Kiepenkerl | Landesstudio Münster |
| Kreis Steinfurt | Lokalzeit Münsterland | Radio RST | Büro Rheine |
| Stadt Münster | Lokalzeit Münsterland | Antenne Münster | Landesstudio Münster |
| Kreis Recklinghausen | Lokalzeit aus Dortmund, für Gladbeck Lokalzeit Ruhr | Radio Vest, in Gladbeck Radio Emscher Lippe | Landesstudios Dortmund und Essen |
| Kreis Kleve | Lokalzeit aus Duisburg | Antenne Niederrhein | Büro Kleve |
| Kreis Wesel | Lokalzeit aus Duisburg | Radio K.W. | Landesstudio Duisburg |
Zwei Namen sorgen in der Region immer wieder für Verwechslungen. Radio K.W. klingt nach Kleve, ist aber laut Landesanstalt der Sender für den Kreis Wesel. Und die Lokalzeit Ruhr kommt aus Essen, nicht aus Dortmund, obwohl beide Städte an der Ruhr liegen.
Kreis Borken: Münsterland am Grenzstreifen
Im Kreis Borken sehen Sie im WDR Fernsehen die Lokalzeit Münsterland. Das Landesstudio Münster produziert sie für die Stadt Münster und die umliegenden Kreise, der Kreis Borken bildet dabei den westlichen Rand. Wer in Bocholt oder Isselburg wohnt, ist näher an Wesel als an Münster, bekommt aber trotzdem Themen aus Coesfeld und Warendorf serviert.
Das Lokalradio heißt Radio WMW und sitzt in Borken. Die Landesanstalt nennt vier UKW-Frequenzen: 88,4 MHz aus Bocholt, 93,0 MHz aus Ahaus, 97,6 MHz aus Borken und 103,6 MHz aus Gronau. Seit Juli 2026 ist Radio WMW außerdem im regionalen DAB+-Multiplex Münsterland zu hören, den Media Broadcast an den Standorten Münster, Schöppingen und Recklinghausen betreibt. Schöppingen liegt selbst im Kreis Borken, zwischen Ahaus und Horstmar.
Beim Fernsehen per Antenne lohnt am Westrand ein Blick auf die Senderliste nach dem Suchlauf. Die Lokalzeit Münsterland kommt terrestrisch vom Standort Münster-Stadt auf Kanal 34. Zwischen Rhede und Isselburg ist der Weg nach Münster weit, und je nach Ausrichtung der Antenne landet dort auch der WDR-Kanal vom Niederrhein im Gerät. Dann erscheint abends die Lokalzeit aus Duisburg.
Kreis Coesfeld: zwischen Baumbergen und Lippe
Der Kreis Coesfeld liegt mitten im Sendegebiet der Lokalzeit Münsterland und grenzt im Osten direkt an die Stadt Münster. Von Havixbeck oder Senden aus ist das Landesstudio schneller erreicht als manches Ziel im eigenen Kreis.
Radio Kiepenkerl hat seinen Sitz in Coesfeld an der Rosenstraße und sendet laut Landesanstalt auf 88,2 MHz (Lüdinghausen), 106,3 MHz (Dülmen), 107,4 MHz (Coesfeld) und 102,2 MHz (Nottuln). Die vier Standorte verteilen sich gleichmäßig über den Kreis, was bei einem langgestreckten Gebiet von den Baumbergen bis an die Lippe auch nötig ist. Auch Radio Kiepenkerl gehört zu den sechs Programmen, mit denen der DAB+-Multiplex Münsterland am 1. Juli 2026 startete.
Für den südlichen Kreis mit Olfen und Lüdinghausen gilt: Das Ruhrgebiet beginnt gleich hinter der Lippe. Wer dort Radio über eine gute Antenne hört, bekommt oft zusätzlich Sender aus Dortmund und dem Kreis Recklinghausen herein.
Kreis Steinfurt: der Norden mit eigenem Büro
Im Kreis Steinfurt ist ebenfalls die Lokalzeit Münsterland zuständig. Der WDR hat für den Norden des Münsterlands zusätzlich ein Büro in Rheine, das zum Landesstudio Münster gehört. Für die Berichterstattung aus Rheine, Emsdetten, Greven oder Ibbenbüren verkürzt das die Wege deutlich.
Radio RST sitzt in Rheine an der Poststraße. Nur zwei UKW-Frequenzen führt die Landesanstalt für den Sender: 104,0 MHz vom Standort Tecklenburg und 105,2 MHz von Schöppingen. Der Standort Schöppingen liegt knapp jenseits der Kreisgrenze im benachbarten Kreis Borken. Über DAB+ ist Radio RST seit Juli 2026 im regionalen Münsterland-Multiplex vertreten.
Beim WDR-Hörfunk führt der Sender den Raum Ibbenbüren als eigenes Versorgungsgebiet. Seine Frequenztabelle nennt dort etwa WDR 2 auf 96,0 MHz, während im übrigen Münsterland 94,1 MHz gilt. Wer vom Emsland-Rand nach Tecklenburg fährt, muss das Autoradio also unterwegs einmal neu suchen lassen, sofern es nicht per RDS selbst umschaltet.
Stadt Münster: Sitz des Landesstudios
Münster ist kreisfrei und Standort des WDR-Landesstudios, aus dem die Lokalzeit Münsterland kommt. Kürzer als hier ist der Weg zu den Themen der Sendung nirgends im Münsterland. Terrestrisch strahlt der Standort Münster-Stadt das WDR Fernsehen mit der Lokalzeit Münsterland auf Kanal 34 (578 MHz) aus.
Das Lokalradio ist Antenne Münster mit Sitz am Nevinghoff, auf einer einzigen UKW-Frequenz: 95,4 MHz. Münster ist zugleich einer der drei Standorte des regionalen DAB+-Multiplex.
Kreis Recklinghausen: zwei Lokalzeiten in einem Kreis
Der Kreis Recklinghausen gehört schon zum Ruhrgebiet und zählt deshalb nicht zum Sendegebiet der Lokalzeit Münsterland. Der WDR teilt den Kreis auf. Gladbeck führt er ausdrücklich im Gebiet der Lokalzeit Ruhr aus Essen. Für die übrigen Städte, darunter Recklinghausen, Marl, Dorsten, Herten und Haltern am See, sendet die Lokalzeit aus Dortmund, die der WDR für Dortmund und das östliche Ruhrgebiet produziert.
Beim Radio ist es ähnlich. Radio Vest aus Recklinghausen sendet laut Landesanstalt auf 94,6 MHz (Recklinghausen), 95,6 MHz (Haltern am See), 105,2 MHz (Dorsten) und 92,8 MHz (Waltrop). Gladbeck dagegen hört lokal Radio Emscher Lippe, den Sender, den sich die Stadt mit Bottrop und Gelsenkirchen teilt.
Bemerkenswert ist der DAB+-Ausbau. Radio Vest ist im Münsterland-Multiplex vertreten, und Recklinghausen ist einer seiner drei Senderstandorte. Wer im Norden des Kreises wohnt, etwa in Haltern am See, empfängt digital also dieselben Programme wie ein Haushalt in Coesfeld.
Kreis Kleve: Niederrhein mit Blick nach Nijmegen
Für den Kreis Kleve zeigt der WDR abends die Lokalzeit aus Duisburg. Das Landesstudio Duisburg ist nach WDR-Angaben für Duisburg sowie die Kreise Kleve und Wesel zuständig. Dazu kommt das WDR-Büro in Kleve an der Hoffmannallee. Es liefert vor allem Hörfunkbeiträge vom Niederrhein und koordiniert zugleich, was die ARD im Radio aus dem Nachbarland berichtet.
Antenne Niederrhein ist der Lokalsender des Kreises, mit Sitz an der Stechbahn in Kleve. Die Landesanstalt nennt 98,0 MHz aus Kleve und 105,7 MHz aus Geldern. Mit zwei Standorten wird ein Kreis abgedeckt, der sich von Emmerich am Rhein bis südlich von Geldern zieht.
Terrestrisch gehört der Standort Kleve zu den Sendern, über die der WDR die Lokalzeit aus Duisburg auf Kanal 46 verbreitet. Der Mast in Kleve ist mit 126 Metern Höhe nach WDR-Angaben eine Landmarke am Niederrhein.
Kreis Wesel: zwischen Rheinberg und Hamminkeln
Im Kreis Wesel gilt dieselbe Lokalzeit wie in Kleve: die Lokalzeit aus Duisburg. Moers, Dinslaken, Kamp-Lintfort und Voerde liegen dicht an Duisburg, entsprechend eng ist der Bezug zum dortigen Studio. Der Norden mit Hamminkeln und Schermbeck grenzt dagegen an den Kreis Borken und das Münsterland.
Das Lokalradio heißt Radio K.W. Die Landesanstalt führt zwei UKW-Standorte: Wesel auf 107,6 MHz und Moers auf 91,7 MHz. Über DVB-T2 zählt der Standort Wesel, wie Kleve, zu den WDR-Sendern der Lokalzeit aus Duisburg auf Kanal 46. Die regionale DAB+-Verbreitung für die Region Niederrhein/Duisburg/Essen startete am 18. Dezember 2025.
Niederländische Sender an der Grenze
Der Kreis Borken und der Kreis Kleve teilen eine lange Grenze mit den Niederlanden, genauer mit den Provinzen Overijssel, Gelderland und Limburg. Wer dort eine Außenantenne auf dem Dach hat, bekommt nach dem Suchlauf manchmal Programme von der anderen Seite der Grenze in die Liste, darunter die öffentlich-rechtlichen Kanäle NPO 1, NPO 2 und NPO 3 und regionale Anbieter wie Omroep Gelderland oder RTV Oost.
Verlassen sollten Sie sich darauf nicht. Die niederländischen Sendernetze sind für die Versorgung der Niederlande geplant, nicht für deutsche Haushalte, und ein Empfang jenseits der Grenze ist ein Nebeneffekt. Ob es klappt, hängt von der Entfernung, der Antennenhöhe und davon ab, ob das Gerät die in den Niederlanden verwendete DVB-T2-Technik unterstützt.
Online ist es schwieriger. Viele Inhalte der niederländischen Anbieter sind außerhalb der Niederlande gesperrt, weil Senderechte, gerade für Sport und Spielfilme, nur für das Inland gekauft sind. Nachrichten und Eigenproduktionen sind oft frei, Fußball und Serien meist nicht. Die EU-Portabilitätsverordnung 2017/1128 hilft hier nicht weiter, denn sie gilt für Abonnenten, die vorübergehend im EU-Ausland sind, nicht für den dauerhaften Wohnsitz auf der deutschen Seite.
Empfang im flachen Münsterland
Das Münsterland ist überwiegend flach, nur die Baumberge und das Tecklenburger Land ragen merklich heraus. Für Fernseh- und Radiowellen ist das zunächst ein Vorteil: Es gibt kaum Täler, in denen ein Signal verschwindet, und ein Senderstandort reicht weit in die Fläche.
Die Kehrseite zeigt sich an den Rändern. Weil wenig im Weg steht, kommen oft zwei Standorte ähnlich stark an, etwa Münster und ein Sender vom Niederrhein oder aus dem Ruhrgebiet. Ein Fernseher mit automatischem Suchlauf speichert dann womöglich die Regionalversion, die zufällig stärker war, nicht die für den Wohnort zuständige. Das erklärt, warum im Westen des Kreises Borken gelegentlich die Duisburger Lokalzeit läuft.
Dazu kommen Hindernisse, die mit dem Gelände nichts zu tun haben. Windparks, Hallen in Gewerbegebieten und dichte Baumreihen entlang der Höfe dämpfen das Signal lokal. Eine Zimmerantenne im Erdgeschoss kämpft im Münsterland oft mehr mit dem eigenen Mauerwerk als mit der Entfernung. Wer draußen auf dem Land wohnt, fährt mit einer Außen- oder Dachantenne meist deutlich besser. Ob DVB-T2 an Ihrer Adresse ausreicht, können Sie mit dem Empfangscheck prüfen.
Satellit ist in der Region die sichere Wahl, wenn es um die richtige Lokalzeit geht. Über Astra 19,2° Ost sind alle Regionalversionen des WDR Fernsehens gleichzeitig in der Senderliste, und die zuständige lässt sich gezielt auf einen Programmplatz legen. Im Kabelnetz von Vodafone liefert der WDR die Lokalzeit Köln plus die für die Region zuständige Ausgabe.
Die Lokalzeit des Nachbarkreises sehen
Manchmal interessiert gerade nicht die eigene Region. Wer in Rhede wohnt und in Wesel arbeitet, oder wer Familie in Kleve hat, möchte vielleicht die Duisburger Ausgabe sehen, obwohl daheim die Münsterland-Version zuständig ist. Dafür gibt es drei Wege.
Am bequemsten ist der Livestream. Der WDR bietet für jede der elf Ausgaben einen eigenen Stream an, der zur Sendezeit ab 19.30 Uhr läuft und im Browser oder in der WDR-App funktioniert. Wer später schaut, findet jede Ausgabe als eigene Sendung in der ARD Mediathek, dort heißen sie etwa „Lokalzeit Münsterland“ oder „Lokalzeit aus Duisburg“.
Über Satellit reicht ein Blick in die Senderliste, denn dort stehen alle Regionalversionen nebeneinander. Mit Antenne oder Kabel ist das dagegen meist nicht möglich, weil dort nur die für den Standort vorgesehene Version ankommt. Wer ohnehin über einen Umstieg auf Satellit nachdenkt, gewinnt damit nebenbei die freie Wahl der Lokalzeit.
Beiträge aus dem Archiv
Unter dieser Übersicht finden Sie den Kreisauswähler und darunter Beiträge aus dem Archiv, geordnet nach Kreis und Ort. Sie behandeln Themen aus Städten wie Bocholt, Dülmen, Rheine oder Moers. Jeder Beitrag trägt sein Datum, und Angaben darin beziehen sich auf diesen Zeitpunkt. Für aktuelle Frequenzen und Zuständigkeiten gilt die Tabelle oben.
Eine Kleinigkeit zum Schluss, die im Alltag hilft: Bei Radio WMW, Radio Kiepenkerl und Radio RST lohnt nach dem DAB+-Start im Juli 2026 ein neuer Sendersuchlauf im Autoradio. Geräte, die zuletzt im Frühjahr gesucht haben, kennen den Münsterland-Multiplex noch nicht und zeigen die drei Sender deshalb nur auf UKW an.
