Wer in Nordrhein-Westfalen nach lokalem Fernsehen sucht, landet schnell bei einer überraschend kurzen Liste. Die Landesanstalt für Medien NRW, zuständig für den privaten Rundfunk im Land, führt in ihrer Übersicht der lizenzierten Fernsehprogramme ein einziges lokales Vollprogramm. Das lokale Gesicht des Fernsehens in NRW kommt überwiegend vom WDR mit seinen Regionalmagazinen, während das Radio mit 44 Lokalstationen ein dichtes Netz über das Land legt.
Dieser Bericht ordnet ein, was heute gilt. Er stützt sich auf die Zulassungslisten und Audio-Seiten der Landesanstalt, auf die Empfangs- und Standortangaben des WDR und auf Mitteilungen des Plattformbetreibers Media Broadcast zum DAB+-Ausbau. Wo es keine belastbare Zahl gibt, steht hier auch keine.
Stand 23.09.2026
Alle Angaben beziehen sich auf die Veröffentlichungen der Landesanstalt für Medien NRW, des WDR und von Media Broadcast, abgerufen am 23.09.2026. Frequenzen und Zulassungen können sich ändern.
Lokales Fernsehen mit Zulassung der Landesanstalt für Medien NRW
Private Fernsehprogramme, die in Nordrhein-Westfalen veranstaltet werden, brauchen eine Zulassung der Landesanstalt. Über die Anträge entscheidet deren Medienkommission. Die Behörde prüft danach laufend, ob die Anbieter Jugendschutz, journalistische Sorgfalt, Werberegeln und die Impressumspflicht einhalten.
Die aktuelle Liste der Sender mit Lizenz der Landesanstalt für Medien NRW gliedert sich in drei Gruppen. Die größte umfasst bundesweit ausgerichtete Programme, darunter VOX, Super RTL, QVC, DYN und zahlreiche Internet-Spartenkanäle von Streamern. Die zweite Gruppe sind die Regionalfenster. Die dritte, „Regional und lokal ausgerichtete Programme“, enthält genau einen Eintrag: Studio 47 aus Duisburg, als „lokales Vollprogramm“ bezeichnet.
| Angebot | Einordnung | Veranstalter | Sitz |
|---|---|---|---|
| Studio 47 | lokales Vollprogramm (Zulassung Landesanstalt für Medien NRW) | Studio 47 Stadtfernsehen Duisburg GmbH & Co. KG | Duisburg |
| RTL WEST | landesweites Programmfenster | RTL WEST GmbH | Köln |
| Sat.1 „17:30 live“ | landesweites Programmfenster | WestCom Medien GmbH | Dortmund |
| WDR Lokalzeit, elf Ausgaben | öffentlich-rechtliche Regionalmagazine im WDR Fernsehen | Westdeutscher Rundfunk | Landesstudios in ganz NRW |
Die beiden Regionalfenster sind kein Lokalfernsehen im engeren Sinn. RTL WEST und Sat.1 „17:30 live“ senden für das ganze Land, jeweils eingebettet in das bundesweite Hauptprogramm. Für viele Haushalte sind sie trotzdem die zweite Quelle für Nachrichten aus NRW neben dem WDR, gerade am frühen Abend.
Studio 47 ist auf Duisburg ausgerichtet. Für den Kreis Wesel und den Kreis Kleve liegt Duisburg zwar nahe, eine regionale Zuständigkeit über die Stadtgrenze hinaus lässt sich aus der Zulassungsliste aber nicht ablesen.
Die elf WDR-Lokalzeiten und ihre Gebiete
Das eigentliche lokale Fernsehen in NRW ist öffentlich-rechtlich. Der WDR teilt sein drittes Programm am Vorabend in elf Regionalversionen. Laut WDR laufen sie montags bis samstags von 19.30 bis 20.00 Uhr und sind zusätzlich jederzeit im Netz abrufbar. Die Ausgaben heißen Lokalzeit Aachen, Bergisches Land, Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Köln, Münsterland, Ostwestfalen-Lippe, Ruhr und Südwestfalen.
Die Gebiete folgen den Landesstudios, nicht immer den Kreisgrenzen. Auf seinen Empfangsseiten beschreibt der WDR für jede Ausgabe, wofür sie zuständig ist und über welchen DVB-T2-Kanal sie terrestrisch verbreitet wird.
| Lokalzeit | Studio | Gebiet laut WDR | DVB-T2 |
|---|---|---|---|
| Lokalzeit Münsterland | Münster | das Münsterland | Sender Münster-Stadt, Kanal 34 (578 MHz) |
| Lokalzeit aus Duisburg | Duisburg | Duisburg sowie die Kreise Kleve und Wesel | Kleve, Wesel, Langenberg, Wuppertal, Düsseldorf, Kanal 46 (674 MHz) |
| Lokalzeit Ruhr | Essen | Bochum, Bottrop, Essen, Gelsenkirchen, Gladbeck, Herne, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen | Gelsenkirchen, Dortmund, Essen, Langenberg, Hagen, Kanal 25 (506 MHz) |
| Lokalzeit aus Dortmund | Dortmund | Dortmund und das östliche Ruhrgebiet | keine eindeutige Angabe auf der WDR-Seite |
Ein Detail aus der Tabelle verdient einen zweiten Blick. Gladbeck gehört zum Kreis Recklinghausen, taucht beim WDR aber im Gebiet der Lokalzeit Ruhr auf. Der Rest des Kreises fällt in das östliche Ruhrgebiet, für das die Lokalzeit aus Dortmund sendet. Wer in Gladbeck wohnt, sieht also eine andere Lokalzeit als die Nachbarn in Dorsten oder Marl.
Beim Empfang gibt es drei Wege. Über Satellit (Astra 19,2° Ost) signalisiert der WDR alle elf Lokalzeiten in SD und HD, man wählt die gewünschte Version in der Programmliste. Im Kabelnetz von Vodafone liegen in ganz NRW die Lokalzeit Köln und die jeweils zuständige Regionalausgabe. Terrestrisch über DVB-T2 bestimmt der Senderstandort, welche Version ankommt. Mehr zu den Empfangswegen am Wohnort steht auf der Seite Empfang prüfen, zu Livestreams und Abrufangeboten auf der Mediathek-Seite.
Studios, Büros und die Nähe zu den Niederlanden
Neben den Landesstudios unterhält der WDR Büros, etwa in Rheine für das nördliche Münsterland und in Kleve für den Niederrhein. Das Klever Büro organisiert nach Angaben des WDR auch die Radio-Berichterstattung aus den Niederlanden für die ARD und disponiert ein Hörfunkstudio in Den Haag. Für die Grenzregion ist das kein Nebenpunkt: Themen von der anderen Seite der Grenze landen hier schneller im Programm als in Köln.
Das Zwei-Säulen-Modell im NRW-Lokalfunk
Das Radio funktioniert in NRW grundlegend anders als in den meisten Bundesländern. Die Landesanstalt nennt ihr Modell selbst einzigartig. Jeder Lokalsender besteht aus zwei rechtlich selbstständigen Einrichtungen, die über einen Vertrag verbunden sind.
Die erste Säule ist die Veranstaltergemeinschaft (VG). Sie ist ein eingetragener, nicht kommerzieller Verein, in dem gesellschaftliche Gruppen wie Gewerkschaften, Sport- und Jugendverbände mit je einem Sitz vertreten sind. Die VG erhält von der Landesanstalt die Zulassung, trägt allein die Verantwortung für das Programm und ist Arbeitgeberin der Redakteurinnen und Redakteure.
Die zweite Säule ist die Betriebsgesellschaft (BG). Sie ist privatwirtschaftlich organisiert, stellt über Kapitaleinlagen und Werbeeinnahmen das Geld für den Sendebetrieb bereit und beschafft die Technik. An den Betriebsgesellschaften dürfen die örtlichen Zeitungsverlage bis zu 75 Prozent, die Kommunen bis zu 25 Prozent der Kapital- und Stimmrechtsanteile halten.
Die Chefredaktion besetzen beide Säulen gemeinsam.
In der Praxis heißt das: Die Nachrichten aus Borken, Coesfeld oder Rheine verantwortet ein Verein vor Ort, das Geld dafür kommt überwiegend aus der Werbung, die eine von Verlagen getragene Gesellschaft verkauft. Diese Trennung soll verhindern, dass wirtschaftliche Interessen unmittelbar in die Redaktion hineinregieren. Ob sie das immer schafft, lässt sich von außen schwer messen; die Landesanstalt versteht sich jedenfalls ausdrücklich als Aufsicht und Beraterin zugleich.
44 Lokalradios, über 100 Frequenzen und radio NRW
Auf ihrer Audio-Seite nennt die Landesanstalt 44 lokale Radiosender auf über 100 Frequenzen, jeder mit eigenem Lokalprogramm. Außerhalb der lokalen Sendezeiten übernehmen die Stationen das Rahmenprogramm von radio NRW, sodass jeder Sender rund um die Uhr läuft. Die radio NRW GmbH sitzt in Oberhausen an der Essener Straße.
Die Landesanstalt legt nach dem Landesmediengesetz NRW auch die Verbreitungsgebiete fest. Sie sollen zusammenhängende Kultur-, Wirtschafts- und Kommunikationsräume abdecken und zugleich einen wirtschaftlich tragfähigen Sender ermöglichen. Meist entspricht ein Gebiet einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt, manchmal einem Verbund mehrerer Städte, etwa Bottrop, Gelsenkirchen und Gladbeck mit Radio Emscher Lippe.
Wirtschaftlich ist das System unter Druck. Die Landesanstalt schreibt selbst, die Wirtschaftlichkeit der Verbreitungsgebiete sei nicht mehr flächendeckend gegeben, und hat 2021 einen Strukturprozess angestoßen, den sie moderiert. Ein Gutachten der Behörde beschäftigt sich mit der wirtschaftlichen Situation im NRW-Lokalfunk bis 2027. Im März 2025 einigten sich die Sender auf gemeinsame wirtschaftliche Standards, Anfang September 2025 auf einheitliche Digitalstrategien und abgestimmte Programm- und Marketingaktionen, wie die Landesanstalt in einer Pressemitteilung vom 24.09.2025 berichtet.
Die Lokalradios im Westmünsterland und am Niederrhein
Für die Kreise, die dieser Ratgeber regional abdeckt, nennt die Senderübersicht der Landesanstalt folgende Stationen und UKW-Frequenzen.
| Verbreitungsgebiet | Sender | UKW-Frequenzen (MHz) |
|---|---|---|
| Kreis Borken | Radio WMW | Bocholt 88,4; Ahaus 93,0; Borken 97,6; Gronau 103,6 |
| Kreis Coesfeld | Radio Kiepenkerl | Lüdinghausen 88,2; Dülmen 106,3; Coesfeld 107,4; Nottuln 102,2 |
| Kreis Steinfurt | Radio RST | Tecklenburg 104,0; Schöppingen 105,2 |
| Stadt Münster | Antenne Münster | Münster 95,4 |
| Kreis Recklinghausen | Radio Vest | Recklinghausen 94,6; Haltern am See 95,6; Dorsten 105,2; Waltrop 92,8 |
| Kreis Kleve | Antenne Niederrhein | Kleve 98,0; Geldern 105,7 |
| Kreis Wesel | Radio K.W. | Wesel 107,6; Moers 91,7 |
Die Balkengrafik auf dieser Seite zeigt dieselben Daten als Zahl der Frequenzen je Sender. Sie sagt nichts über die Reichweite aus: Zwei starke Standorte können ein Gebiet besser versorgen als vier schwache. Auffällig ist der Name Radio K.W., der leicht in die Irre führt. Laut Landesanstalt ist das der Sender für den Kreis Wesel, der Kreis Kleve hört Antenne Niederrhein.
DAB+ als zweiter Verbreitungsweg
Seit Ende Oktober 2021 gibt es in NRW einen landesweiten DAB+-Multiplex im Kanal 9D. Die Landesanstalt spricht von 16 neuen Programmen, die damit hinzukamen. Für Lokalprogramme eignet sich ein landesweiter Multiplex nicht, weil er im ganzen Land dasselbe Signal trägt.
Das ändert sich mit DAB+-Regio. Das Land ist dafür in sechs Audioregionen geteilt. Am 18. Dezember 2025 startete Media Broadcast die regionale Verbreitung an 21 Standorten in fünf Regionen: Köln/Bonn/Aachen, Südwestfalen/Dortmund, Ostwestfalen/Lippe, Niederrhein/Duisburg/Essen sowie Wuppertal/Düsseldorf/Mönchengladbach. Nach Angaben der Landesanstalt waren damit die ersten 40 Lokalfunksender digital empfangbar.
Das Münsterland kam zuletzt. Die Medienkommission wies die Kapazitäten am 12. Dezember 2025 Media Broadcast zu, der Multiplex ging am 1. Juli 2026 an drei Standorten in Betrieb: Münster, Schöppingen und Recklinghausen. Zum Start nennt Media Broadcast sechs Programme: Radio WAF, Radio WMW, Radio Kiepenkerl, Radio Vest, Radio RST und Antenne Münster. Ab 1. September 2026 sollte Metropol FM einen weiteren Platz belegen, für den 1. Februar 2027 ist StreamD angekündigt.
Bis zu 16 regionale Programmplätze stehen je Region zur Verfügung. Zusammen mit dem landesweiten Multiplex können an einem Standort damit bis zu 16 landesweite und weitere 16 lokale und regionale Programme empfangbar sein. Für die Verbreitungskosten hat die Landesanstalt ein DAB+-Regio-Förderprogramm aufgelegt, das laut ihrer Mitteilung vom September 2025 über drei Jahre bis zu 3,6 Millionen Euro umfasst.
Reichweiten: was belegt ist und was nicht
An dieser Stelle erwarten viele Leser Hörerzahlen je Sender. Die Landesanstalt veröffentlicht auf ihren Seiten derzeit keine aktuellen Reichweiten einzelner Lokalradios, und Zahlen aus zweiter Hand übernimmt dieser Bericht nicht. Deshalb fehlt eine Rangliste.
Belegt sind bundesweite Werte zur digitalen Audionutzung. Der Online-Audio-Monitor 2025, den die Landesanstalt für Medien NRW mit weiteren Medienanstalten und Verbänden beauftragt hat, kommt auf 53 Millionen Menschen, die Online-Audio nutzen. Webradio hören 56 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren zumindest gelegentlich, das sind rund 39 Millionen Menschen. Monatlich nutzen 48 Prozent Webradio und 54 Prozent Musikstreaming, täglich sind es 24 und 28 Prozent. Online-Audio im Auto hören 45 Prozent. Die zweite Grafik auf dieser Seite zeigt die Monats- und Tageswerte nebeneinander.
Für Bewegtbild liefern die Video Trends 2025 der Medienanstalten einen Rahmen. Danach konsumieren 94 Prozent der Menschen ab 14 Jahren täglich Videos oder Sendungen, 47,7 Millionen nutzen regelmäßig einen Connected TV. Eine Auswertung nur für NRW oder für einzelne Regionalfenster enthält die Studie nicht.
Was diese Zahlen für die Lokalzeit oder Radio WMW bedeuten, lässt sich daraus nicht ableiten. Sie zeigen nur, dass die klassischen Programme im Netz gehört werden, meist über die Apps und Webstreams derselben Sender, die auch über UKW und DAB+ laufen.
Quellen dieses Berichts
Die Zahlen und Zuordnungen stammen aus fünf Veröffentlichungen, alle abgerufen am 23.09.2026. Die Zulassungen aus der Senderliste „Sender mit LfM NRW-Lizenz“ der Landesanstalt für Medien NRW. Die Lokalradios, Frequenzen, das Zwei-Säulen-Modell und die Angaben zur wirtschaftlichen Lage von deren Audio-Seite und den Pressemitteilungen vom 24.09.2025 und 22.12.2025. Die Lokalzeit-Gebiete und DVB-T2-Kanäle von den Empfangsseiten des WDR. Die Startdaten des DAB+-Multiplex Münsterland aus der Mitteilung von Media Broadcast vom 01.07.2026. Die Nutzungszahlen aus dem Online-Audio-Monitor 2025 und den Video Trends 2025 der Medienanstalten.
Lokale Medien im Westmünsterland
Für die sieben Gebiete zwischen Kleve und Steinfurt gibt es eine eigene Übersicht mit Lokalzeit, Lokalradio und Empfangshinweisen je Kreis: Fernsehen und Lokalmedien im Westmünsterland. Die Kreisseiten, zum Beispiel für den Kreis Borken oder die Stadt Münster, sammeln zusätzlich regionale Beiträge. Wer DVB-T2 an der eigenen Adresse prüfen will, findet das Werkzeug unter Empfang.
Ein letzter praktischer Punkt zum Satellitenempfang. Der WDR verbreitet alle Lokalzeiten über zwei Transponder: die SD-Versionen etwa für Münster auf 12.422 MHz horizontal, alle HD-Versionen gemeinsam auf 11.523 MHz horizontal. Wer nach einem Sendersuchlauf nur „WDR HD Köln“ findet, sollte in der Senderliste weiter unten suchen, dort stehen „WDR HD Münster“, „WDR HD Duisburg“ und die übrigen Regionalversionen.
